Parenterale Ernährung Definition und Anwendung
Die parenterale Ernährung ist eine lebensrettende Methode, bei der Nährstoffe direkt in den Blutkreislauf verabreicht werden, anstatt über den Verdauungstrakt. Sie wird eingesetzt, wenn eine ausreichende orale oder enterale (über den Magen-Darm-Trakt) Ernährung nicht möglich ist oder nicht ausreicht, um den Bedarf des Körpers zu decken. Dies kann aufgrund verschiedener Erkrankungen oder Zustände der Fall sein, die die Nahrungsaufnahme, -verdauung oder -absorption beeinträchtigen.
Key Takeaways:
- Die parenterale Ernährung umgeht den Verdauungstrakt und versorgt den Körper direkt mit Nährstoffen über den Blutkreislauf.
- Sie wird bei Patienten eingesetzt, die nicht ausreichend oral oder enteral ernährt werden können.
- Die parenterale Ernährung birgt Risiken wie Infektionen und Stoffwechselentgleisungen, die sorgfältig überwacht werden müssen.
- Die Indikationen sind vielfältig und reichen von Darmverschluss bis hin zu schweren Verbrennungen.
Was versteht man unter parenterale Ernährung?
Die parenterale Ernährung ist eine Form der künstlichen Ernährung, bei der dem Körper alle notwendigen Nährstoffe – Kohlenhydrate, Fette, Proteine, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente – direkt über eine Vene zugeführt werden. Das bedeutet, dass der Verdauungstrakt umgangen wird. Dies ist besonders wichtig, wenn der Verdauungstrakt nicht richtig funktioniert oder nicht ausreichend Nährstoffe aufnehmen kann. Die Lösungen für die parenterale Ernährung werden individuell auf den Bedarf des Patienten abgestimmt, unter Berücksichtigung von Faktoren wie Alter, Gewicht, Gesundheitszustand und zugrundeliegender Erkrankung. Die Applikation erfolgt in der Regel über einen zentralen Venenkatheter (ZVK), der in eine große Vene, beispielsweise am Hals oder in der Brust, eingeführt wird. Bei kurzfristiger Anwendung kann auch eine periphere Vene (z.B. am Arm) genutzt werden, allerdings sind hier die Nährstoffkonzentrationen begrenzt, um die Venen nicht zu reizen. Es ist wichtig zu verstehen, dass die parenterale Ernährung kein Ersatz für die normale Nahrungsaufnahme ist, sondern eine lebenserhaltende Maßnahme darstellt, wenn diese nicht möglich ist. Die detailierte Überwachung des Patienten ist dabei entscheidend, um Komplikationen zu vermeiden.
Wann ist die Anwendung der parenterale Ernährung notwendig?
Die parenterale Ernährung wird in einer Vielzahl von Situationen eingesetzt, in denen die normale Nahrungsaufnahme nicht ausreicht oder möglich ist. Zu den häufigsten Indikationen gehören:
- Darmverschluss oder -perforation: Wenn der Darm blockiert oder beschädigt ist, kann Nahrung nicht passieren und muss umgangen werden.
- Kurzdarmsyndrom: Nach umfangreichen Darmresektionen (chirurgischen Entfernung von Darmabschnitten) ist die Fähigkeit zur Nährstoffaufnahme stark reduziert.
- Schwere Entzündungen des Magen-Darm-Trakts: Erkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa können die Nahrungsaufnahme erheblich beeinträchtigen.
- Mangelernährung: Bei schwerer Mangelernährung, beispielsweise aufgrund von Anorexie oder Kachexie (Auszehrung), kann die parenterale Ernährung eingesetzt werden, um den Körper schnell mit Nährstoffen zu versorgen.
- Schwere Verbrennungen: Verbrennungen erhöhen den Nährstoffbedarf des Körpers erheblich, und die orale Ernährung reicht oft nicht aus, um diesen Bedarf zu decken.
- Postoperative Zustände: Nach bestimmten Operationen, insbesondere im Bauchraum, kann die parenterale Ernährung vorübergehend notwendig sein, um den Verdauungstrakt zu entlasten.
- Chemotherapie und Strahlentherapie: Diese Behandlungen können zu Übelkeit, Erbrechen und Appetitlosigkeit führen, was die Nahrungsaufnahme erschwert.
- Schwere Pankreatitis: Entzündungen der Bauchspeicheldrüse erfordern oft eine Entlastung des Verdauungstrakts.
Es ist wichtig zu betonen, dass die parenterale Ernährung immer nur dann eingesetzt werden sollte, wenn alle anderen Ernährungswege ausgeschöpft sind oder nicht möglich sind. Ziel ist es, so schnell wie möglich wieder auf eine orale oder enterale Ernährung umzustellen, um die Funktion des Verdauungstrakts zu erhalten.
Welche Risiken sind mit der parenterale Ernährung verbunden?
Obwohl die parenterale Ernährung lebensrettend sein kann, ist sie nicht ohne Risiken. Zu den häufigsten Komplikationen gehören:
- Infektionen: Da ein Katheter in eine Vene eingeführt wird, besteht ein Risiko für Infektionen an der Einstichstelle oder im Blutkreislauf (Sepsis). Eine sorgfältige Hygiene und regelmäßige Kontrolle des Katheters sind daher unerlässlich.
- Stoffwechselentgleisungen: Die parenterale Ernährung kann zu Störungen des Elektrolyt-, Glukose- und Säure-Basen-Haushalts führen. Regelmäßige Blutuntersuchungen sind notwendig, um diese Werte zu überwachen und gegebenenfalls anzupassen.
- Leberfunktionsstörungen: Langfristige parenterale Ernährung kann zu Leberfunktionsstörungen führen, insbesondere bei Patienten mit vorbestehenden Lebererkrankungen.
- Thrombose: Die Einführung eines Katheters in eine Vene kann das Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln (Thrombose) erhöhen.
- Katheter-bedingte Komplikationen: Es kann zu Verstopfungen, Dislokationen oder Beschädigungen des Katheters kommen.
- Über- oder Unterernährung: Eine falsche Zusammensetzung der parenteralen Ernährung kann zu Über- oder Unterernährung führen.
Um diese Risiken zu minimieren, ist eine sorgfältige Planung, Durchführung und Überwachung der parenteralen Ernährung durch ein erfahrenes medizinisches Team unerlässlich.
Wie wird die parenterale Ernährung durchgeführt?
Die Durchführung der parenteralen Ernährung erfordert ein interdisziplinäres Team, bestehend aus Ärzten, Pflegekräften, Ernährungsberatern und Apothekern. Der Ablauf lässt sich in folgende Schritte unterteilen:
- Indikationsstellung und Bedarfsermittlung: Der Arzt stellt die Indikation für die parenterale Ernährung und ermittelt den individuellen Nährstoffbedarf des Patienten.
- Katheteranlage: Ein zentraler Venenkatheter (ZVK) wird in eine große Vene eingeführt. In manchen Fällen kann auch eine periphere Vene genutzt werden.
- Zubereitung der Nährlösung: Die Apotheke bereitet die parenterale Ernährungslösung individuell nach den Vorgaben des Arztes zu.
- Applikation der Nährlösung: Die Nährlösung wird kontinuierlich über den Katheter infundiert. Die Infusionsgeschwindigkeit wird vom Arzt festgelegt und von der Pflegekraft überwacht.
- Monitoring: Während der parenteralen Ernährung werden regelmäßig Blutuntersuchungen durchgeführt, um den Elektrolyt-, Glukose- und Säure-Basen-Haushalt sowie die Leberfunktion zu überwachen. Auch der Katheter wird regelmäßig auf Infektionen und andere Komplikationen kontrolliert.
- Anpassung der Nährlösung: Die parenterale Ernährungslösung wird bei Bedarf an den aktuellen Zustand des Patienten angepasst.
- Ausschleichen der parenterale Ernährung: Sobald der Patient wieder in der Lage ist, ausreichend oral oder enteral zu essen, wird die parenterale Ernährung langsam reduziert und schließlich abgesetzt.
Die parenterale Ernährung ist ein komplexer Prozess, der eine enge Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten erfordert. Eine sorgfältige Durchführung und Überwachung sind entscheidend, um Komplikationen zu vermeiden und den bestmöglichen Therapieerfolg zu erzielen. Die individuelle Anpassung an den Patienten ist dabei von großer Bedeutung.
